Sie werden 2026 die Präsidentschaft der UFI übernehmen. Welche Themen möchten Sie voranbringen?
Wolfram N. Diener: Messen stehen unter geopolitischem und wirtschaftlichem Druck und werden oftmals in ihrer Bedeutung unterschätzt – und das, obwohl sie systemrelevant für Wirtschaft und Gesellschaft sind. Sie benötigen daher noch mehr öffentliche Anerkennung und politischen Rückhalt von außen sowie Transformation von innen. Ich möchte das öffentliche Bewusstsein für den Wert unserer Branche stärken, indem wir noch sichtbarer machen, was Messen leisten: In einer Welt, die das Miteinander zunehmend verlernt, bringen wir Marktakteure zusammen, bleiben Ort des zivilen Austauschs, machen Produkte erlebbar und bilden Vertrauen in dynamischen Zeiten.
Dafür ist es wichtiger denn je, dass wir als Gesamtbranche mit einer Stimme sprechen – ob Veranstalter, Geländebetreiber oder Dienstleister. Die UFI schafft Verständnis für die unterschiedlichen Rollen und fördert gemeinsame Interessen. Dieses verbindende Profil möchte ich weiter schärfen.
Und wir müssen noch stärker dort aktiv sein, wo die Wirtschaft uns am meisten braucht: in dynamischen Märkten, an den Schnittstellen des globalen Austauschs. Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, weitere Mitglieder in Entwicklungs- und Schwellenländern zu gewinnen – um eine globale Messebranche zu gestalten, die kollaborativ, zukunftsorientiert und wirkungsvoll ist.
Die konjunkturelle Weltlage ist angespannt. Wie wirkt sich das auf die Messebranche aus?
Wolfram N. Diener: Die Messewirtschaft ist ein Seismograph für die Weltkonjunktur. Internationale Krisen setzen Unternehmen aktuell unter Druck – und dies ist auf Messen spürbar. Da die drei größten Märkte – USA, Deutschland und China – dem aktuellen UFI Global Barometer zufolge eine stabile bis rückläufige Entwicklung erwarten, kann insgesamt von Euphorie keine Rede sein. Wichtig ist, dass wir in dieser Situation den USP von Messen besonders ausspielen: Messen schaffen Räume für Dialog und Kooperation – auch dann, wenn andere Kanäle blockiert sind.
Ein gutes Signal: Insgesamt erwartet etwa ein Drittel der weltweiten Messeunternehmen ein Wachstum von fünf Prozent oder mehr im Jahr 2025 und eine Vielzahl blickt positiv auf die kommenden Jahre. Am positivsten ist die Stimmung dabei in Wachstumsmärkten wie Brasilien, Indien, Malaysia, Mexiko, Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Was ich persönlich aber noch viel wichtiger finde: Die meisten Akteure stehen nicht still und warten, was kommt, sondern handeln aktiv. So planen acht von zehn Unternehmen neue Aktivitäten, sechs von zehn Akteuren beschäftigen sich aktiv mit KI-Anwendungen im Alltagsgeschäft und vier von zehn Messegesellschaften wollen bis zum Jahresende ihre Belegschaft erweitert haben.
Künstliche Intelligenz ist ein wichtiger Treiber für die Weiterentwicklung der Messewirtschaft. Wo sehen Sie den größten Nutzen?
Wolfram N. Diener: KI wird dort besonders wertvoll, wo große Datenmengen, komplexe Abläufe und individuelle Bedürfnisse zusammenkommen. Genau das ist im Messegeschäft der Fall. Schon heute nutzen fast zwei Drittel der Messeakteure KI-Tools, um effizienter zu arbeiten. Damit ist die Branche weder Vorreiter noch Nachzügler, aber definitiv im Wandel.
Drei Bereiche sind dabei maßgeblich: KI bietet uns ganz neue Möglichkeiten zur Personalisierung – etwa durch intelligente Matchmaking-Tools oder maßgeschneiderte Besucher- und Ausstelleransprache. Zweitens ermöglichen optimierte Logistik, präzisere Flächenbelegung und weniger CO2-Emissionen eine nachhaltigere Planung und Umsetzung von Messen. Und drittens, das liegt auf der Hand, bringt die KI neue digitale Services hervor, mit denen wir neuartige Messeerlebnisse schaffen können. Vieles davon können Veranstalter aus eigener Kraft und unmittelbar in ihre operativen Prozesse einbinden und tun dies ja teils schon heute. Für anspruchsvollere Anwendungen wird es sicher spezialisierte Technologiepartner brauchen. Eins aber ist klar: Eine erfolgreiche KI-Strategie entsteht nur aus dem Zusammenspiel von tiefem Branchenwissen und technologischem Know-how.
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