Wie viel Schwung kommt aus der Privatwirtschaft?
Enorm viel. Große globale Tech-Konzerne wie Google, Microsoft und Amazon Web Services investieren massiv in KI-Infrastruktur in der Region – ein klares Zeichen dafür, dass Südostasien als Hochpotenzialmarkt ernst genommen wird. Bis 2030 könnte die Region einen KI-getriebenen Wirtschaftswert von einer Billion Dollar erreichen. Jenseits von KI gewinnen Fintech und Health Tech weiter an Boden, besonders bei Financial Inclusion, Telemedizin und KI-gestützter Diagnostik. Tritt man einen Schritt zurück, zeigt sich das große Bild: Die Region übernimmt Technologie nicht einfach – sie erprobt gerade, wie diese Innovationen wirklich funktionieren.
Kommen wir zu den Menschen dahinter. Wie würden Sie das unternehmerische Mindset in Südostasien heute beschreiben?
Das Mindset ist heute sehr geerdet. Unternehmen sind nach wie vor ambitioniert, aber sie wollen jetzt wirklich nachhaltige Geschäftsmodelle aufbauen und nicht um jeden Preis wachsen. Investoren und Partner erwarten konkrete Antworten: Ist das Geschäftsmodell rentabel? Schafft es echten Mehrwert? Hält es langfristig?
Wie zeigt sich das in der Praxis?
Innovation ist in Südostasien ausgesprochen pragmatisch. Statt Verhalten von Grund auf verändern zu wollen, setzen viele Unternehmen darauf, Alltagsgewohnheiten einfacher, schneller oder zugänglicher zu machen – egal ob beim Einkaufen, Bezahlen, Leihen oder beim Zugang zu Dienstleistungen. Deshalb sind E-Commerce und Fintech so fruchtbarer Boden für neue Ideen.
Wie formt der Markt dieses Mindset?
Sehr stark. Südostasien bietet große, konsumgetriebene Digitalmärkte – angetrieben von rasanter Adaption und einer jungen Bevölkerung. Gleichzeitig ist es ein ausgeprägter Mobile-First-Markt, in dem Konsumenten schnell wechseln, wenn ein Produkt nicht überzeugt. Das Ergebnis ist eine Gründerkultur, die ambitioniert und hochpragmatisch zugleich ist: Wer schnell ist, sich anpasst und liefert, gewinnt. Am Ende steht nicht Disruption als Selbstzweck, sondern die Frage: Löst das Geschäft ein echtes Problem und kann es wachsen?
Was tut die Region, um Innovation zu fördern und innovationsgetriebene Unternehmen anzuziehen?
Regierungen in der ganzen Region bauen echte Strukturen auf: Investitionsanreize, Startup-Programme, Innovationszentren, digitale Rahmenbedingungen, stärkere regulatorische Unterstützung. Und Unternehmen finden eine junge, digital vernetzte Bevölkerung wieder, die offen ist für neue Ideen, die schnell getestet, angenommen und skaliert werden können.
Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Thailands „BOI Investment Promotion“ und Vietnams „National Innovation Center“ treiben das zum Beispiel mit Finanzierung, Mentoring und Ökosystem-Unterstützung voran. Indonesiens „1.000-Digital-Startups-Programm“, Thailands “Start-up Thailand” unter Führung der National Innovation Agency und Vietnams nationale Startup-Initiativen senden dasselbe Signal: Die Region will mithilfe von Kapital, Unternehmensberatungen, Stakeholder-Netzwerken und modernisierter Regulierung ernsthafte Innovationszentren bauen.
Was leistet die Messe Düsseldorf in dieser Region?
Unsere Plattformen eröffnen Unternehmen den direkten Zugang zu neuen Technologien, Markteinblicken, Branchenmaßstäben und potenziellen Partnern. Und das in einem Format, das nichts ersetzt: dem persönlichen Gespräch. Als Messe Düsseldorf sind wir mit einer ganzen Reihe an Formaten in der Region vertreten: Medical Fair Asia, Medical Manufacturing Asia, Pack Print International, wire and Tube Southeast Asia, GIFA und METEC – Southeast Asia und die Indonesien-Editionen sowie ProWine Singapore und die Kunststoff-Messeserie in Indonesien, Thailand und Vietnam. Fachmessen sind in Südostasien besonders relevant, weil der industrielle Wandel in vielen Branchen gleichzeitig Fahrt aufnimmt. Messen bringen die richtigen Menschen, Technologien und Ideen zum richtigen Zeitpunkt zusammen und schaffen Erlebnisse – etwas, das kein Katalog und keine digitale Plattform wirklich ersetzen kann.