Zur Geschichte von Messen und Ausstellungen in Düsseldorf
Über ein halbes Jahrhundert Messe Düsseldorf. Was in hölzernen Provisorien in der Düsseldorfer Innenstadt begann, ist heute ein international tätiges Unternehmen, das in allen Wachstumsregionen der Welt vertreten ist.
Über ein halbes Jahrhundert Messe Düsseldorf. Was in hölzernen Provisorien in der Düsseldorfer Innenstadt begann, ist heute ein international tätiges Unternehmen, das in allen Wachstumsregionen der Welt vertreten ist. Der Startschuss für den Messestandort Düsseldorf fiel am 7. Januar 1947 mit der Gründung der Nordwestdeutschen Ausstellungsgesellschaft mbH (NOWEA). Entsprechend der Tradition der Düsseldorfer Ausstellungsgeschichte und der Weltausstellungen drehte sich anfangs noch alles um die Organisation und Durchführung einer "Gewerblichen Leistungs- und Exportschau".
Schnell etablierte sich die NOWEA allerdings als die permanente Ausstellungsgesellschaft der Stadt. Ab Ende der 40er-Jahre begleiteten zahlreiche Messen und Ausstellungen in Düsseldorf den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der jungen Bundesrepublik in der Nachkriegszeit.
Heute ist die Unternehmensgruppe Messe Düsseldorf GmbH mit dreizehn Tochtergesellschaften und Beteiligungen und vierzig Messeveranstaltungen allein in Düsseldorf einer der größten Messeveranstalter weltweit.
1811 - 1852 : Eine Ausstellung für Napoleon I.
Das Düsseldorfer Ausstellungswesen blickte bei der Gründung der NOWEA bereits auf eine fast 150-jährige Tradition zurück. Die erste Gewerbeausstellung fand im Jahr 1811 statt. Im Saal der alten Regierungskanzlei präsentierten 14 Aussteller aus dem Bergischen Land ihre Industrieerzeugnisse ihrem damals neuen Herrscher: Napoleon I. Den fortschrittlichen, exportorientierten Fabrikanten war durch Napoleons Politik der Kontinentalsperre ihr englischer Absatzmarkt verloren gegangen. Durch eine überzeugende Demonstration ihres Könnens hofften sie, vom Kaiser Zugang zum französischen Markt und den eroberten Gebieten zu erlangen. Auch wenn Napoleon sich durchaus beeindruckt zeigte, wurde den bergischen Fabrikanten der freie Zugang zu den Märkten verwehrt. Eine wirtschaftspolitische Entscheidung, die die Aussteller jedoch keineswegs den Düsseldorfern ankreideten. Seit dieser ersten Ausstellung kommen sie immerhin seit fast 200 Jahren immer wieder zu den Messen „Made in Düsseldorf“.
1837 besuchten 8654 Gäste die "Erste Ausstellung von Industrieerzeugnissen des Regierungsbezirks Düsseldorf". Nur fünfzehn Jahre später waren es bereits 60.000 Besucher, die unter anderem “Bergbauprodukte, landwirthschaftliche und schwere Geräthe, Wagen“ („Düsseldorfer Zeitung“, 17.6.1852) von 756 Ausstellern sehen wollten.
1880 - 1937 : "Eine Zauberstadt den Rheinstrom entlang"
Was in den ersten Jahren des Industriezeitalters begonnen hatte, die Präsentation der gesamten Produktion der westlichen Provinzen Deutschlands, setzte sich in den nächsten Jahrzehnten mit Macht durch. Zwar wurden vereinzelt kleinere Spezialveranstaltungen durchgeführt, Hauptziel der Ausstellungstätigkeit sollten jedoch noch lange Zeit Universalausstellungen in Weltausstellungsmanier bleiben.
Die Nähe zum Ruhrgebiet und die Lage am Rhein wurden im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zu immer wichtigeren Faktoren der Entwicklung der Ausstellungsstadt Düsseldorf. Bereits 1880, als die rheinisch westfälische Industrie erst wenige Jahrzehnte alt war, kamen eine Million Besucher zur Ausstellung nach Düsseldorf.
Im Jahr 1902 waren es mehr als sechs Millionen, die sich ein Bild von der Wirtschaftskraft einer Region machten, die sich selbstbewusst mit den führenden Wirtschaftsnationen der Welt verglich. Die Ausstellungsmacher von 1902 schufen „eine Zauberstadt den Rheinstrom entlang, in die die Industrie und Gewerbe einzogen, mit den gewaltigen, scheinbar von Cyklopenhänden gefügten Maschinen”, wie es, Fritz Roeber, damals Präsident der Düsseldorfer Kunstakademie, in seiner Rede während der Abschlussfeier der Ausstellung formulierte.
Im Deutschen Reich standen Rheinland und Westfalen damals unangefochten an der Spitze, leisteten hier doch gerade ein Mal 29 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent der nationalen Industrieproduktion. Die größten Industriellen des Deutschen Reichs waren an Rhein und Ruhr zu Hause. Und Düsseldorf war ihre Ausstellungsstadt.
Die selbstbewusste, für den heutigen Betrachter manchmal geradezu unbekümmerte Art, mit der im Jahr 1902 die Segnungen des industriellen Zeitalters präsentiert wurden, sollte für lange Zeit in Düsseldorf nicht mehr zu sehen sein. Die wohl berühmteste Düsseldorfer Ausstellung in der Geschichte, die „Gesolei“ (Große Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen) wurde zwar von mehr Menschen besucht als alle ihre Vorläuferinnen, etwa 7,5 Millionen, jedoch stand sie im Schatten des 1. Weltkriegs und die Menschen hatten die verheerende Wirkung eines umfassenden industriellen Krieges gerade erst erfahren.
Die vorläufig letzte große Industrieschau fand im Jahr 1937 statt. Mit der Ausstellung „Schaffendes Volk“ wollte die Nationalsozialistische Regierung die Unabhängigkeit des Deutschen Reichs demonstrieren.
1947 - 1971 : Düsseldorfer Fachmessen – Brücken zum Erfolg
1947, im Gründungsjahr der NOWEA, befanden sich Stadt und Land in einer nicht nur wirtschaftlich äußerst schwierigen Situation. Die Versorgung der Bevölkerung war nach dem 2. Weltkrieg eines der Hauptprobleme. Im strengen Winter 46/47 richtete die Stadt öffentliche Wärmehallen ein, ca. 20 Prozent der Bevölkerung der amerikanischen und englischen Zone litten an Untergewicht und im Kammerbezirk Düsseldorf standen 33 Betriebe zur Demontage an, 23 davon zur Volldemontage.
Die Gründung der Nordwestdeutschen Ausstellungs-Gesellschaft am 7.1.1947 fällt in die Reihe der Versuche, die Stadt und das Land wirtschaftlich “auf die Beine zu bringen“. Da man für die Schwerindustrie eine eher dunkle Zukunft vermutete, förderten die Verantwortlichen die Ansiedlung neuer Betriebe. Neben Elektroindustrie, Maschinenbau, Chemie und Bekleidung setzten sie auf den Ausbau des Dienstleistungswesens. Die neue Ausstellungsgesellschaft war ein Kind dieser Entwicklung.
Nach einer sehr bescheidenen Gründung mit gerade mal 4.800 Quadratmetern Ausstellungsfläche startete die junge Gesellschaft dann aber innerhalb weniger Jahre richtig durch. Zwar ist im § 2 der Gründungsurkunde entsprechend der Düsseldorfer Ausstellungstradition als Unternehmensziel festgehalten: "Gegenstand des Unternehmens ist die Organisation und Durchführung der ‚Gewerblichen Leistungs- und Exportschau 1947‘".
Damit entsprachen die Düsseldorfer Ausstellungsmacher dem Wunsch der englischen Militärregierung, die im Laufe des Jahres 1947 den Wunsch nach einer ständigen Exportmusterschau in ihrer Besatzungszone anmeldete. Die Erlaubnis zur Durchführung der Universalschau konnte die Düsseldorfer Gesellschaft nicht erlangen. Als nach langem Ringen 1953 schließlich die "Große Rationalisierungsausstellung ‚Alle sollen besser leben‘" durchgeführt wurde, waren die Würfel schon in eine andere Richtung gerollt. Am 28. Juni 1951 hatten sich Gesellschafter und Aufsichtsrat bereits für das noch heute gültige Konzept der Fach- und Branchenmesse entschieden. "Düsseldorfer Fachmessen – Brücken zum Erfolg" lautete der selbstbewusste Spruch der Werber der jungen Messegesellschaft seit den 50er-Jahren.
Für den Neuanfang nach Kriegsende griff die NOWEA auf das alte Ausstellungsgelände am Ehrenhof in Nähe der Altstadt zurück. 4.800 Quadratmeter Ausstellungsfläche standen hier im Kunstpalast zur Verfügung. Hier organisierte die junge Gesellschaft im November 1947 ihre erste Fachausstellung, die „Deutsche Presse-Ausstellung“. 207.000 Besucher wollten alles über die Presse der Nachkriegszeit, über moderne Nachrichtenübermittlung, Redaktion, Satz, Druck und Distribution wissen.
Mit den sehr schnell steigenden Ausstellerzahlen bei den Veranstaltungen der nächsten zwei Jahre wurde es Besuchern und Ausstellern im Kunstpalast bald zu eng. Rege Bautätigkeiten sind ein Hinweis für den Erfolg der Düsseldorfer Messeaktivitäten: 1949 wurden vier provisorische Hallen in Holzbauweise errichtet, die zehn Jahre lang treue Dienste leisteten. Bereits ein Jahr später baute die NOWEA eine große Maschinenhalle aus Stahl. 1952 kam die Europahalle und 1953 die so genannte Viergeschosshalle hinzu. Zwei weitere Hallen, das Messerestaurant und schließlich das Messeparkhaus sorgten für drangvolle Enge auf dem Messegelände.
1971 : Die „Neue Messe Stockum“
Im Laufe der Jahre trug das Fachmessekonzept mehr und mehr Früchte. Mitte der 60er-Jahre stieß das Messegelände in der Innenstadt endgültig an seine Kapazitätsgrenze - alle Erweiterungsmöglichkeiten waren ausgeschöpft. Der Ruf nach einem neuen, größeren Messegelände wurde lauter. Am 20. August 1968 entschied sich der Rat der Stadt Düsseldorf nach langwierigen Überlegungen für das größte kommunalpolitische Projekt der Nachkriegszeit, den Neubau der Messe Düsseldorf im Norden der Stadt. Am 3. Juli 1969 bewilligte der Rat die Finanzierung des Projektes, das innerhalb von 905 Tagen Planungs- und Bauzeit realisiert werden konnte. Untrennbar mit dem Umzug in den Düsseldorfer Stadtteil Stockum verbunden sind die Namen des ehemaligen Messe-Geschäftsführers Kurt Schoop und des Hannoveraner Architekten Heinz Wilke.
Das Ergebnis der Bemühungen war ein speziell für Fachmessen entwickeltes Raumprogramm auf der Basis eines additiven Bausystems aus Stahl und Glas. Im Rasterbau von 30 mal 30 Metern wuchsen Europas modernste Messehallen heran: modern, übersichtlich, anpassungsfähig und belastbar.
Mit der "K" - Internationale Messe Kunststoff und Kautschuk - wurde das neue Gelände 1971 feierlich in Betrieb genommen. Durch die "Neue Messe" konnte das mittlerweile in "Düsseldorfer Messegesellschaft - NOWEA" umbenannte Unternehmen neue Potenziale erschließen. Die Nähe zum Düsseldorfer Flughafen und die gute Anbindung an das Fernverkehrsnetz waren und sind wichtige Standortvorteile.
Der Start ins 3. Jahrtausend : Der Global Player
Aus den ehemals zwölf Hallen sind bis heute mit der Einweihung der "Neuen Halle 8b" im Herbst 2007 19 Hallen geworden. Auch das Verwaltungshochhaus wurde um einen Zwilling erweitert. Das Wachstum kam und kommt nicht von ungefähr: Jahrelange Erfahrung in den Bereichen Maschinen, Anlagen und Ausrüstungen, Handel, Handwerk und Dienstleistungen, Medizin und Gesundheit, Mode/Lifestyle, Freizeit und das bewährte Fachmessekonzept haben die Messe Düsseldorf zu einem starken und kompetenten Messeveranstalter gemacht.
Mit der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft hat auch die Messe Düsseldorf GmbH frühzeitig Zugang zu neuen Märkten gesucht - und sie hat ihn auch gefunden. Vom Standort Düsseldorf ausgehend exportiert das Unternehmen sein Know how und seinen Service in die wichtigsten internationalen Märkte. Gemeinsam mit starken Partnern ist die Messe Düsseldorf in allen Wachstumsregionen dieser Welt mit dem vertreten, was sie schon seit über 50 Jahren erfolgreich betreibt: dem Messe-Machen.
In China, Indien, der Tschechischen Republik, Russland und im Nahen Osten ist die Messe Düsseldorf aktiv. Außerdem betreuen 66 Auslandsvertretungen über 100 Staaten rund um den Globus. Und auch hier gilt: 40 Jahre Auslandsmesseerfahrung mit mehr als 4.000 organisierten Veranstaltungen in aller Welt stehen für internationale Kompetenz.
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