Von der Herausforderung zur Chance: günstiges Klima für die Kunststoffindustrie

Die Kunststoffindustrie in der ASEAN-Region zeigt sich unbeeindruckt von den weltweiten Entwicklungen, die sich auch auf die Wachstumsaussichten wichtiger Branchen auswirken. Im Vorfeld der K 2016, der globalen Leitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie, die vom 19. bis 26. Oktober in Düsseldorf, Deutschland, stattfindet, werfen wir einen etwas genaueren Blick auf diesen Markt.

Vor dem Hintergrund der neuen „Normalität“, geprägt durch Wirtschaftswachstum und Trends wie Ölpreis, Schwankungen bei Angebot und Nachfrage sowie das Schwächeln der meisten asiatischen Währungen gegenüber dem US-Dollar, besinnen sich die südostasiatischen Länder auf ihre Stärken, um weiter zu wachsen, sei es einzeln oder als „Kollektiv“ im Rahmen des 10 Länder umfassenden Verbandes südostasiatischer Nationen ASEAN (Association of Southeast Asian Nations), zu dem Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand, Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha gehören.

Vor dem Hintergrund der protitablen Konsumentenbasis der ASEAN-Region mit ihren über 600 Millionen Einwohnern und einem BIP von 2,6 Billionen US-Dollar sowie der Präsenz am Weltmarkt kann die Region die richtigen Chancen nutzen, die sich aus der aufstrebenden Mittelschicht ergeben.

Kunststoff und Kunststoffprodukte gehören umsatzmäßig zu den Top-Exportsegmenten der ASEAN-Staaten, mit einem Exportumsatz von 39,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2013.

Die Produktionsraten des Sektors sind in den letzten Jahren im Durchschnitt kontinuierlich gestiegen, insbesondere bei den ASEAN-6: Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam erzielen lt. McKinsey & Company mehr als 95 % des regionalen BIP.

Die noch relativ junge Kunststoffindustrie in Vietnam verzeichnete zwischen 2010 und 2015 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 16-18 %. Verpackungen machen dabei 37,4 % aus, gefolgt von Konsumgütern (27 %), Bauwesen (18 %) und technischen Produkten (15 %). Dennoch ist die Industrie laut dem vietnamesischen Kunststoffverband VPA nach wie vor „am unteren Ende und im niederwertigen Bereich angesiedelt.“ Den Großteil der Exporte machen Plastikbeutel für Japan aus. Die Branche ist zudem stark abhängig von Rohstoffimporten, zum Beispiel von Polypropylen(PP)- und Polyethylen(PE)-Harzen. Durchschnittlich 4 Millionen Tonnen Rohstoffimporte stehen einer inländischen Produktion von nur 1 Million Tonnen gegenüber.

Währenddessen verstärkt die indonesische Regierung ihre Bemühungen zur Industrialisierung mit dem Ziel, das Land mit 250 Millionen Einwohnern bis 2030 zur siebtgrößten Volkswirtschaft weltweit zu entwickeln. Die aufstrebende Mittelschicht, bei der man in den kommenden Jahren von einer Verdoppelung auf 141 Millionen Menschen ausgeht, wird den Kunststoffverbrauch steigern. 70 % des Kunststoffverbrauchs entfallen laut dem indonesischen Verpackungsverband auf den Lebensmittel-verpackungssektor. Der Verband der Aromaten-, Olefin- und Kunststoffindustrie (INAplas), erwartet ein 6-%iges Wachstum bei der Binnennachfrage im Kunststoffsektor, gestützt auf eine Steigerung des BIP um 5,3 % im Jahr 2016 und die positive Entwicklung bei Lebensmitteln und Getränken sowie in der Agrarwirtschaft.

Eines der Top-Exportländer für Kunststoffprodukte in der ASEAN-Region, Malaysia, verfügt über mehr als 1.500 Kunststoffproduktionsunternehmen, die nach Europa, China, Singapur, Japan und Thailand exportieren. 45 % des thailändischen Kunststoffverbrauchs gehen auf den Verpackungssektor zurück, gefolgt von Elektronik (26 %), Automobil- (10 %) und Bauindustrie (8 %). Aufgrund einer Anhebung des Mindestlohns in Malaysia auf 214 US-Dollar im Monat sind die Kunststoffproduktionskosten im Laufe des Jahres 2015 jedoch um rund 10 % gestiegen.

Den größten Anteil am Kunststoffverbrauch in Thailand machen Verpackungen (48 %) aus. Es folgen Elektronik (15 %), Bau- (14 %) und Automobilindustrie (8 %). Trotz eines Gesamtkostenindex (z. B. Energie, Personal, Sachanlagen), der 20 bis 25 % über dem von Indonesien, Vietnam und den Philippinen liegt, zieht der Automobilsektor Produktionsunternehmen an. Hauptgrund ist dabei das hochwertige und gut ausgebaute Ökosystem für die Automobilindustrie, mit direkten und indirekten Zulieferern von Fahrzeugkomponenten. Darüber hinaus hat das Land in den letzten sieben Jahren 60 Millionen US-Dollar in die Entwicklung von Biokunststoffen investiert, die zu 80 % vom Staat getragen wurden.

Auf den exportorientierten Philippinen ist die Exportleistung zurückgegangen (minus 5,8 % im Vorjahr). Ursache ist die gesunkene Nachfrage bei seinen wichtigsten Absatzländern USA, China und Japan. Den größten Anteil an den Exporten hat die Halbleiter- und Elektronikindustrie. Gegenwärtig wird mit verschiedenen Maßnahmen versucht, den Export anzukurbeln, beispielsweise mit dem Allgemeinen Präferenzschema (APS) der Europäischen Union (EU), das den Philippinen Exportchancen in den EU-Markt eröffnet, indem Exportzölle abgesenkt werden oder ganz entfallen.

Singapur, ein weltweites Zentrum der Chemikalienproduktion, das laut der Economist Intelligence Unit (EIU) im dritten Jahr in Folge zur teuersten Stadt der Welt gewählt wurde, macht die hohen Kosten durch verschiedene Faktoren wett: starke Anbindung über Schifffahrtswege, entwickelte Infrastruktur, Verfügbarkeit von Arbeitskräften und einfache Geschäftsabwicklung.

Rund 95 Unternehmen sind auf Jurong Island in Singapur vertreten. Sie ziehen laut dem Economic Development Board Investitionen von über 35 Milliarden Singapur-Dollar an. Jurong Island bietet Unternehmen eine Art „Plug-and-Play“-Infrastruktur, die eine schnelle Inbetriebnahme ermöglicht und das Wachstum sowohl in den vorgelagerten als auch den nachgelagerten Branchen stärkt. Derzeit sind Unternehmen wie BASF, ExxonMobil Chemical, Lanxess, Mitsui Chemicals, Shell und Sumitomo Chemicals dort vertreten. BMI Research erwartet vor dem Hintergrund eines Abschwungs in China und eines regionalen Überangebots für 2016 in Singapur eine schwierige Entwicklung. Deshalb setzt Singapur auf Spezialchemie als nächsten Wachstumssektor, wie aus einem Wirtschaftsbericht (Economic Survey of Singapore) des Ministeriums für Handel und Industrie in Singapur hervorgeht.

Zur Förderung der Kunststoffindustrie in der Region gibt es Initiativen verschiedener Verbände der Kunststoffindustrie, zum Beispiel ASEAN Federation of Plastics Industries (AFPI), Malaysian Plastics Manufacturers Association (MPMA), Thai Plastic industries Association (TPIA) und Philippines Plastics Industry Association (PPIA). Die Verbände arbeiten mit internationalen Handelsblöcken wie der ASEAN Economic Community (AEC), dem US-geführten Trans Pacific Partnership Agreement (TPPA) und der von China unterstützten Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) zusammen.

Die AEC trat am 1. Januar in Kraft und zielt auf die Liberalisierung der Märkte für Güter, Investitionen und Dienstleistungen. Sie wird kunststoffproduzierenden Ländern wie Thailand, Malaysia und Singapur die Absenkung der Zölle auf Kunststofffertigprodukte, Maschinen und Formen für andere Mitgliedsstaaten wie Vietnam ermöglichen. Vietnam deckt seinen Kunststoffbedarf zu rund 80 % aus Thailand und Malaysia.

Auch Indonesien deckt mehr als 40 % seines Kunststoffbedarfs aus Malaysia, Thailand, Singapur, Europa und den USA.

Das US-geführte, 12 Nationen umfassende TPPA wird die Handelsbestimmungen zwischen den Mitgliedsstaaten liberalisieren und die bislang bestehenden Zölle von bis zu 25 % abschaffen. Der einfachere Zugang zu ausländischen Märkten verschafft den Ländern ebenfalls Vorteile.

Das RCEP-Abkommen zwischen den ASEAN-Mitgliedsstaaten, China, Japan, Südkorea, Indien, Australien und Neuseeland zielt auf eine Konsolidierung der bestehenden Freihandelsabkommen und Vereinbarungen mit den anderen sechs Partnerländern. Das Abkommen sieht eine Absenkung der Zölle um 65 % vor, mit voraussichtlichem Anstieg auf 80 % innerhalb von zehn Jahren. Das RCEP könnte darüber hinaus die von der Asia Pacific Economic Cooperation (APEC) seit langem in Aussicht gestellte Schaffung einer Freihandelszone in der Region Asien-Pazifik (FTAAP) befördern.

Angesichts dieser positiven Entwicklungen wird die Kunststoffindustrie in der ASEAN-Region weiter wachsen. Laut dem ASEAN Business Outlook Survey 2014 (Umfrage unter Unternehmen in der ASEAN-Region) der amerikanischen Handelskammer in Singapur und der US-Handelskammer war Indonesien das attraktivste Land für Unternehmensexpansionen, gefolgt von Vietnam, Thailand und Myanmar. Die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte in Ländern wie Kambodscha, Indonesien, Laos, Myanmar und Vietnam schafft dabei einen Wettbewerbsvorteil. Insgesamt eröffnen die große Konsumentenbasis in den ASEAN-Ländern, die Verbreiterung der Kunststoff-Im- und Exportmärkte sowie die Stärkung des Auslandsgeschäfts enorme Chancen für ausländische Investoren.


Mai 2016


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